Mir wurde mit 16Jahren gesagt, dass ich ertauben werde.
Ertauben? Was ist das?
Lange Zeit war ich mir dessen nicht bewusst. Ich wollte es erst gar nicht wissen.
Die Mediziner sagen dazu „Vollständiger Verlust des Gehörs"
Aber wie das dann im Alltag sich auswirkt konnte mir keiner so recht sagen.
Simulieren kann man Taubheit auchnicht, selbst wenn man die Finger in die Ohren steckt, ist
man nicht taub.
Mein Erwachen kam mit 18, während einer Reha für Hörgeschädigte.
Dort lebte ich vier Wochen mit schwerhörigen gehörlosen und ertaubten Leuten zusammen.
Das Erwachen war hart, besonders eine Situation geht mir nicht aus dem Kopf,
Beim „Außentraining" sollten wir Verkaufssituationen üben- das ist für Hörgeschädigte nicht
einfach.
Ich war im Team mit einer ertaubten Frau.
Im Kleidungsgeschäft steuerte die Verkäuferin zielsicher auf die ertaubte Frau zu und redete
sie nieder.
Die ertaubte Frau sagte: "Ich bin taub!!!!!!!!!"
Die Verkäuferin schaute entsetzt, drehte sich um und ließ uns stehen.
Herzlich Willkommen in der Realität.
Ich bin dann mit 22Jahren ertaubt.
Am Anfang wunderte ich mich „wie laut" es ist. Das akustische Gehirn bzw die gelernten
Höreindrücke blieben bei mir. Alles was ich sehe höre ich.
Fällt vor mir ein Glas runter, höre ich es klirren.
Würde hinter mir eine Glaspalette zerschellen, würde ich gar nichts hören.
Ich weiß nicht, ob es bei jedem so ist aber das Wort "taub" habe ich mit „Stille" gleichgesetzt.
So wirklich still war es bei mir noch nie.
Die Erfahrungen mit der Ignoranz der Mitmenschen wird man leider machen.
Seit ich taub bin, weiß ich was es bedeutet taub zu sein: ein Exotendasein führen...